daria-russia - @ myblog.de
8. Russian Anatomy

Das viele kalte Wasser der letzten drei Wochen, ob es das Duschen oder das Uvildy-Baden war, scheint langsam seine Spuren an meinem Körper zu hinterlassen. Schon seit mehreren Tagen fühlte sich meine Schulter merkwürdig an, doch als ich gestern früh aufwachte, war ich wie gelähmt vor Schmerz. Mein kompletter linker Oberarm und ein Teil des Brustkorbs taten so sehr weh, als ob sie bei jeder kleinsten Bewegung des Schulternbereiches mit Tausend Nadeln durchstochen werden würden. Noch nicht mal das Atmen funktionierte schmerzfrei. Es war also das eingetreten, wovor ich mein Leben lang am meisten Angst hatte: ich musste in Russland zum Arzt.

Meine Kindheitserinnerungen an sämtliche Arztbesuche gleichen den Folterszenen aus Hollywood-Horrorfilmen. Es gab aber kein zurück, zumindest wenn ich vorhatte mich in den nächsten drei Wochen überhaupt noch zu bewegen. Ich stellte mich also auf ein hartes Unterfangen ein und lies mich von meinem Vater in das staatliche Klinikum fahren. Es war ein altes Gebäude mit sieben Stockwerken, Dutzenden herumwirbelnden Menschen und allen möglichen Abteilungen. Meine befand sich in der letzten Etage, das absolut absurde und unmögliche war aber, dass es keinen Aufzug gab. Eine im neunten Monat schwangere Frau oder jemand mit gebrochenen Beinen und Armen müsste also erstmal die ganzen Treppen hochlaufen bis er danach wahrscheinlich tot umfallen würde. Auf diese Weise reduzieren sie wohl den Patientenansturm.

An der Rezeption teilte mir die Arzthelferin mit, dass da ich keine russische Krankenversicherung habe, müsste ich alles als private Leistung bezahlen und mich vorher bei den zwei verfügbaren Ärzten erkundigen ob sie mich unter dieser Voraussetzung behandeln würden. Dann ist es eben so, dachte ich mir und ging zu dem ersten Ärztezimmer. Da es schon besetzt war, stellte ich mich davor und wartete, zusammen mit drei anderen Frauen, die nach mir kamen. Als die Tür endlich aufging und ich zielstrebig hinein wollte, hörte ich plötzlich ein schreckliches Brüllen, das von einer Frau in wenigen Metern Entfernung kam. Das Wundersame war, dass es sich an mich richtete. Das was die Frau schrie war mir absolut unverständlich, denn sie sagte ich solle mich erstmal anstellen und nicht einfach irgendwo vordrängeln. Mir gingen gleichzeitig mehrere Fragen durch den Kopf: Was genau meint sie denn bitte? Warum zum Teufel interessiert sie das überhaupt, sie selbst wartet vor einem ganz anderem Zimmer? Und was gehe ich sie eigentlich an?

Ich beachtete sie erstmal nicht, trat hinein und fragte ganz höflich die Ärztin, ob sie mich auch „bezahlt“ behandeln würde. Das was ich als Antwort bekam, hätte ich mir nicht mal erträumen können. Um einige Dezibel lauter als die komische Frau brüllte sie auf mich ein: was würde ich mir denn dabei denken ärztliche Leistungen erkaufen zu wollen; würde ich etwa meinen ich wäre besser als alle anderen, nur weil meine Eltern so viel Geld hätten; und ob ich der Meinung wäre, dass alles hier käuflich sei. Ich stand wie geohrfeigt da, ohne auch nur in der Lage zu sein etwas zu erwidern. Während sie mir die Tür vor der Nase zuklatschte, merkte ich wie alles in mir anfing vor Wut und Scham vor den anderen zwanzig Patienten um mich herum zu zittern.

Zähneknirschend drehte ich mich wieder in Richtung Treppenhaus, als die Verrückte von vorhin aufsprang und anfing etwas wegen Vordrängeln mir zu zu schreien. Mein ganzer Körper kochte vor Empörung und dem Schmerz der ganzen Beleidigung; und diese Frau schaffte es in diesem Moment, meinen letzten Tropfen Selbstkontrolle zum Scheitern zu bringen. Ich hob meine Tasche, holte aus und schlug sie mit voller Kraft auf die Sitzbank nur knapp an der Frau vorbei, bückte mich ruckartig ganz nah an ihr Gesicht und schrie so laut ich nur konnte zurück: bevor sie sich in fremde Angelegenheiten einmischen würde, solle sie gefälligst erstens ihre Augen aufmachen und richtig gucken, um dann zweitens das winzige bisschen Gehirn, das ihr blieb, ab und zu einzusetzen. Ich drehte mich um, die vor Schreck halb auf dem Boden sitzende Frau hinter mir, und lief hinaus.

Sobald ich den Ausgang überquerte konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich stand mitten auf der Straße und brach vollkommen in Tränen zusammen. Ich weinte, weil das Wasser hier so kalt war, und weil man jedesmal zehn Versuche braucht um eine SMS zu verschicken; weil die Unfreundlichkeit der Menschen hier keine Grenzen kennt; und weil ich noch nie in meinem Leben so beleidigt und gedemütigt worden bin.

Ich weinte solange bis meine Augen ganz rot angelaufen waren, und als ich so die Straße runterlief, sah ich ein Gebäude mit der Aufschrift „Privates Heilkundezentrum“. Vollkommen verzweifelt trat ich einfach ein und sah etwas, das ich nie erwartet hätte: eine Arztpraxis wie solche, die ich aus Deutschland kenne, mit einem schönen Empfangstresen, pfirsich-farbigen Wänden, gemütlichen Sofas, alles absolut sauber und rein. Und als eine Empfangsdame mich mit einem freundlichen Lächeln begrüßte, mir ein Glas Wasser anbot und fragte ob ich jetzt gleich ein Termin haben wolle, hätte ich wieder weinen können – vor Freude und Erleichterung. Selten war jemand in den letzten Wochen so freundlich zu mir.

Vor der Behandlung bekam ich zum Umziehen rosa Hausschuhe und einen kuscheligen Plüsch-Bademantel. Die Ärztin nahm sich für mich ganze 40 Minuten Zeit und untersuchte aber auch wirklich alles, was man hätte untersuchen können. Und als ich die Praxis mit einem Rezept und einer Überweisung verließ, bekam ich ein rosa Säckchen mit Cremeproben, Wattepads und Traubenzucker. Ich zahlte für den Arztbesuch 25 Euro, doch DAS war es mir an DEM Tag wirklich wert.

20.7.09 20:04


9. Alice in Wunderland

Nach einem 7-tägigem Internetausfall, habe ich nun endlich wieder Kontakt zur Außenwelt und kann von meiner Wochenendtour berichten, die eindeutig einen Platz in meinem Ranking „The Most Shocking Moments Ever“ verdient.

Alles fing am Donnerstag an, als Elena mir mitteilte ich könne mir den Freitag freinehmen. Hocherfreut  rief ich sofort meine Freundin an, die ausserhalb der Stadt wohnt und welche ich deshalb nur seltenzu verbringen. Wir würden zum See gehen, in der Sonne liegen, Shashlik grillen.... Doch genau zwei Stunden später, noch am selben Tag rief m zu Gesicht bekomme. Der Plan stand gleich fest: am Freitag-Morgen fahren wir los, um ein schönes, ruhiges Wochendende bei ihren Eltern auf dem Land ich Elena nochmal an. Sie habe tolle Nachrichten, denn ich müsse mir morgen doch nicht frei nehmen, sie hätte nämlich was ganz tolles für mich gefunden. Ob sie einen Luftsprung von mir erwartet hat? Ich meinerseits wollte gar nicht in die Lüfte, im Gegenteil überlegte ich mir sogar eine Wodoo-Puppe aus dem Nähkasten meines Vaters zu basteln.

Ich stand also am nächsten Tag tatsächlich im Office (und nach einer ausführlichen Diskussion mit meinem Gewissen, doch ohne das Wodoo-Preparat). Die TOLLE Aufgabe, war das Auswerten von Einschaltquoten-Ratings. Es waren Dutzende von Excel-Tabellen mit Hunderten von Spalten mit Tausenden von kleinen Zahlen. Es ging so: Copy, Paste, Rüberziehen, Klick, Speichern..... manche kleine Zahlen rot markieren, die restlichen Hunderttausend blau. Ich setzte mich dran, ich klickte, drueckte, klapperte, rechnete, und copy-paste wie Speedy Gonzales, bis der Drucker fast in sich zusammenbrach. Zwar sah ich danach überall nur noch rumschwirrende Zahlen und Tabellen – ob es die Wand, der Stuhl oder der vorbeilaufende Kollege war – doch ich stieg tatsaechlich Punkt 14 Uhr in den Bus ein, mit höllischen Kopf- und Augenschmerzen, aber überglücklich.

Als der Bus die Stadt verlies, heilte die saubere Luft sofort meine Beschwerden, da wusste ich aber noch nicht, dass es wohl die letzten sorgenfreien Minuten des bevorstehenden Wochenendes waren. Am Elternhaus angekommen stellte ich fest, dass sowohl der Freund meiner Freundin als auch die Cousine samt Mann und kleines Kind mitgekommen sind. An sich schön und gut, doch in Wirklichkeit begann für mich damit das Wochenende im Land des Schwachsinns.

Wenn man es nicht selbst erlebt hat, dann glaubt man es kaum, dass es Menschen geben soll, die ohne jegliche Intelligenz auf die Welt gekommen sind. Ich habe den Beweis dafür gefunden! Der Freund von Natasha (meiner Freundin) ist unheimlich freundlich, nett und höflich und die Cousine und ihr Mann sind herzliche und zuvorkommende Menschen, doch scheinbar leiden alle drei an akutem Gehirnmassemangel. Es gibt ja Menschen, die zwar intelligent, aber einfach ungebildet sind, so z.B meine Freundin. Sie weis zwar nicht was der DAX ist, würde es aber sofort verstehen und mitreden können.  Die anderen drei würden dagegen auch nach stundenlangen Erklärungen noch immer glauben, dass es sich um eine Hunderasse handelt.

Ich riss mich also zusammen und nahm mir vor so tolerant gegenüber diesen Menschen zu sein, wie mein Uni-Gehirn es nur konnte. Wir gingen zunächst in den Garten, ernteten junge Kartofeln, Tomaten und als ich Oksana (die Cousine) fragte, wo ich denn  die Gurken finden würde, deutete sie auf den Busch und nutzte den Moment um sich zu erkundigen ob wir in Deutschland denn auch Gurken hätten? „Ach nein, ich bin ja blöd“ beantwortete sie ihre Frage selbst „ihr habt dort doch nur Ananas“. Sie lächelte und ging weiter, wähernd ich in der Umgebung nach der versteckten Kamera suchte.

Das war aber leider erst der Anfang des wortwörtlich dümmsten Abends meines Lebens. Als wir beim Essen Scrubble spielten (wohl nicht die beste Entscheidung unter DIESEN Umständen) habe ich alle drei Mal mit Abstand gewonnen (man bedenke, dass mein Schulrussisch nur bis zur 6ten Klasse reicht, der Rest aber einen Schulabschluss hat). Die anderen drei versuchten Wörter zu schreiben, die noch nicht mal russisch klangen und keiner sonstigen Sprache zuzuordnen waren. Und als der Freund von Natasha es schaffte in einem Wort aus DREI Buchstaben VIER Fehler zu machen, entzog ich mich des Spiels um meiner Zunge, auf die ich mir ständig beissen musste, eine Pause zu gönnen.

Das Irrentheater ging aber am Abend weiter. Als wir uns gemütlich ans Feuer setzten, wurde ich von Seiten der Cousinfamilie einer ausführlichen Befragung auf dem untersten Niveau über Deutschland und das Leben in Europa ausgesetzt. Ob bei uns auf den Straßen viele Blumen wachsen würden; ob bei uns Lebensmittel vergiftet werden würden; ob man Haie esse…. Jeder Satz fing mit „Ist in Deutschland…“ an und auf jede dieser Fragen wurde von mir eine ernsthafte Antwort erwartet. Der Höhepunkt kam als Oksana fragte: „Habt ihr da überall Denkmale von Hitler stehen, so wie wir von Lenin?“ Und noch bevor ich antworten konnte sagte ihr Mann: „Bist du blöd, der ist doch noch gar nicht tot! Warum sollten die dann Denkmale bauen?!“ Keinem von beiden war wohl der Faschismus ein Begriff und Hitler brachten sie erst recht nicht damit in Verbindung. Es kostete mir viel Überwindung, aber ich verzichtete auf einen Kommentar.

Als Oksana mich schließlich fragte ob es denn in Deutschland viele N*ger geben würde, zuckte ich alleine schon wegen dem Ausdruck zusammen und flüchtete vor dieser Dummheit ins Bett. Sobald wir am nächsten Morgen zum See gingen, war ich vorbereitet: Plan a)Ich hatte einen Mp3-Player dabei, um ihn mir in die Ohren zu stecken und so zu tun, als ob ich sie nicht hören würde; Plan b) Ich würde ins Wasser rennen, denn die Cousine kann nicht schwimmen; und schließlich Plan c) Ich würde mich totstellen.

Mit dieser Strategie habe ich es tatsächlich bis zum Nachmittag und bis zur Haltestelle Richtung Chelyabinsk geschafft. Dort verabschiedete ich mich HERZLICH von allen, dabei flüsterte mir meine Freundin ins Ohr, dass wir uns das nächste Mal wohl lieber alleine treffen sollten. Ich saß im Bus, hatte zwar das Gefühl als ob mein eigener IQ nach diesen Tagen geschrumpft wäre, war aber mindestens genauso erleichtert, wie einst Alice als sie aus dem schrecklichen Alptraum des Wunderlandes aufwachte und keine weißen Hasen mehr um sich rennen sah.

28.7.09 19:58


10. Cultural Studies

Man könnte mir nicht vorwerfen, ich wäre ein Mensch der nichts mit dem russischen Kulturerbe anfangen könnte. Schließlich bin ich mit einem Vater als Opernsänger und Schauspieler praktisch unter dem Dach eines Theaters aufgewachsen. Meine ersten Spielzeuge waren Requisite aus „Evgenij Onegin“, meine ersten Freunde Theaterkinder. Doch es gibt etwas, weswegen ich mich tatsächlich schämen sollte: bis heute habe ich es nicht für nötig gehalten das Nationalmuseum von Chelyabinsk von Innen zu betrachten, in welchem sämtliches Kulturerbe des südlichen Urals verborgen liegt. Deswegen beschloss ich zusammen mit meiner Freundin Lena, meiner Schwester und ihren beiden Kindern an dem heutigen Tag unsere Schulden zu begleichen.

Das Museum wurde erst vor wenigen Jahren neu errichtet; früher ein altes müffiges Häuschen, heute ein großzügig grün-verglastes Gebaüde mit Türmchen, die an ein Schloss erinnern, bestehend aus sieben Stockwerken und mehreren Ausstellungen. Es steht direkt am Ufer des Flusses Mias, zu welchem ich aus Nationalstolz nichts weiter sagen werde, außer dass man dort wahrscheinlich wie einst Bart Simpson dreiäugige Fische finden würde.

Zu fünft gingen wir also hinein, kauften uns Tickets für die drei größten Ausstellungen im Wert von insgesamt 6 Euro. Meine Aufmerksamkeit erweckte vor allem die Preisliste, denn ein Ausstellungsticket für einen Erwachsenen kostet 130 Rubel, für einen Erwachsenen mit nicht-russischer Nationalität kostet es aber gleich 300. Weil man davon ausgeht, dass jede andere Nation mehr Geld als Russland hat? Weil man glaubt, dass man die russische Kultur als Nicht-Russe gar nicht erst bewundern sollte? Oder weil man denkt, dass wenn jemand schon von weitem hierher angereist ist, dann einfach jeden Preis bezahlen würde? Ohne mich mit der Rezeptionsfrau darüber weiterzustreiten, traten wir in die erste Ausstellung ein.

Russisches Holzhandwerk, Stickereien aus dem 17. Jahrhundert, kleinste feine Figuren aus Edelmetallen, lebensecht nachgebaute Tierwelten des Urals und verschiedenster Schmuck aus Edelsteinen, wofür die Gegend auch am meisten bekannt ist – alles schön und gut, aber eben auch nicht mehr. Vielleicht hätte es mir bei weitem mehr Spaß gemacht, wenn nicht die Aufsichtsfrauen wären. Diese 90-Jahre-alten Omas lauerten an jeder Ecke des Museums, um an jeder kleinsten Bewegung der Besucher zu meckern.

Schon am Eingang bekamen wir direkt eine Einweisung aus der Reihe „Wie benehme ich mich in einem Museum“, man darf nichts anfassen, man soll nichts essen oder trinken, man soll nicht rennen…. Alles Dinge, die für einen halbwegs kultivierten Menschen selbstverständlich sind. Und als wir uns über eines der Exponate unterhielten, rannte eine der Omas hin und fauchte uns an, man solle in einem Museum nicht reden. Und zwar GAR nicht. Als dann mein 5-jähriger Neffe zwei Schritte in Richtung Fenster ging, joggte schon das nächste Fossil zu uns und unterrrichtete meine Schwester darüber, dass in einem Museum Kinder bei ihren Eltern bleiben müssten.

Der Höhepunkt war, als ich – halb am verhungern – Lena nach einem Kaugummi fragte und mir diesen gerade in den Mund schob, sprintete die nächste zahnlose Granny, mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen, zu mir und bestand darauf, dass man in einem Museum kein Kaugummi kauen dürfe. Hä? Darf ich denn auch nicht atmen, weil ich sonst etwas umpusten würde, oder vielleicht auch nicht mit den Wimpern zucken, da der dabei enstehende Wind etwas umwerfen könne? Ich glaube nicht, dass mein Kaugummi dem 2-Meter-hohen, 100-Kilo-schweren Bergkristall etwas anhaben hätte können.

Unglaublich, aber wahr: nach drei Stunden, fünf Stockwerken und zehn Superhero-Aufsichtsomas schafften wir es das Museum ohne ein lebenslanges Hausverbot zu verlassen. Und so wie es sein sollte, habe ich nach diesem kulturellen Aufenthalt tatsächlich folgende zwei Sachen gelernt: Erstens, in einem russischen Museum sollte man sämtliche menschliche Bedürfnisse vor der Tür stehen lassen. Zweitens, lebenlanges Vodkatrinken konserviert die Organe, so dass mit dem Alter russische Senioren zu Wachhund-Grannys mit übernatürlichen Sinnen mutieren.
29.7.09 18:51


11. Ice Age

Einem echten Uralmenschen kann es nie kalt genug sein. Die kühlen Außentemperaturen, das eiskalte Wasser, die winterlich-frischen Gewässer… Auch wenn meine Vorstellung von Sommer eine andere ist, reichte mir das alles noch nicht für einen richtigen, authentischen Russland-Besuch aus. Deswegen begab ich mich gestern in die Dezemberkälte einer Eishalle zum Schlittschuhfahren.

Und nicht irgendeiner Eishalle, sondern „Molnia“, eine Eisarena, die zu den fünf größten Russlands zählt und in welcher schon zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften ausgetragen wurden.

Doch jeder Mensch, den ich mich zu begleiten fragte, schaute mich an als ob ich BSE hätte und lehnte mit weit aufgerissenen Augen auf. „Warum will ich mir die Kälte noch zusätzlich zu DIESEM Sommer antun?“, wurde ich bestaunt. Ich wollte es aber nun mal, also musste mal wieder mein Vater einspringen.

Mit Jeans, Pullover und Schal ausgestattet, zogen wir uns die Schlittschuhe drüber und traten mit einem Haufen anderer Menschen in die Arena ein. Es war riesengroß, so groß, dass man jemanden am anderen Eisflächeende nicht mehr erkennen konnte. In der Mitte war ein abgegerenzter Eishockeyplatz, Übungsflächen und eine kleine Bar mit Bänken. Doch das erste was mir auffiel war die Kälte…. ich wusste ja dass es kalt sein würde, aber es war SO kalt, dass ich meinen Atem sehen konnte und dass ich mit meinem poppligen Pullover absolut underdressed war.

Es würde beim Fahren schon besser werden, überzeugte ich mich selbst und schwang mich elegant und graziös aufs Eis… So sollte es zumindest in meiner Vorstellung aussehen. In der Tat sah es aber eher nach einem Nielpferd auf Schlittschuhen aus, das sich nach den ersten Metern an einen vorüberfahrenden Kerl vergreifen musste, um sich nicht auf den A*sch zu setzten.

Währenddessen gleitete mein 60-jähiriger Vater sanft und leicht wie eine Feder über die Eisfläche an mir vorbei, drehte sich auf einem Fuß und blieb nach einem kurzen Luftsprung in einer anmutigen Position stehen. Ich hatte ganz vergessen, dass er viele Jahre in einer Eislaufmanschaft trainierte und sogar bei den Regionalmeisterschaften angetreten ist. Und als ich da so rumkrach, fiel mir auch auf, dass ich in diesem Stadion offensichtlich die Einzige war, die kein Rückwertsfahren, kein Drehen oder keine doppelte Schraube beherrschte. Um mich herum düsten die Menschen wie echte Eiskunstlauf-Profis herum, sie sprangen, sie drehten sich, sie machten irgendwelche Kunststücke…. Ein fünfjähriges Mädchen mit zwei Zöpfchen und laufender Nase kam an mir vorbei, guckte mich an und schüttelte lachend mit dem Kopf. Ein Tiefpunkt in meiner Eiskunstlaufkarriere.

Doch nach zwei Stunden auf dem Eis und drei Tassen heißen Tee, war ich schon ganz stolz auf mich. Mit fester, ruhiger Haltung fuhr ich durch die Gegend und tat so, als ob ich das schon ganz lange machen würde. Nicht nur, dass ich ziemlich schnell war, ich habe sogar gelernt ziemlich gut rückwerts zu fahren. Und als ich das kleine freche Feuchte-Nase-Mädchen vor mir sah, konnte ich es mir nicht verkneifen hochnäsig an ihr vorbeizufahren. Glücklich über meine Erfolge und total zufrieden verließ ich die Eisarena „Molnia“.

Weniger glücklich und zufrieden wachte ich am nächsten Morgen mit einer fetten Erkältung auf. Nein, ich würde nicht zuhause bleiben und mir von meinem Vater anhören, ich hätte mich wärmer anziehen müssen. Deswegen kroch ich aus dem Bett, machte mein zugeschwollenes Gesicht wieder menschenähnlich und schleppte mich zur Arbeit.

Gerade an dem Tag erwartete mich nichts anderes als die Tausenden von Zahlen der Eisnchaltquoten, was eigentlich heute Irinas Arbeit wäre, welche aber irgendwie noch nicht da war, sagte Elena. Ich setzte mich also vor die ganzen Tabellen: die blauen Zahlen vermischten sich mit den roten, und die Spalten mit den Zeilen und schon bald meinte ich Tetris vor mir zu sehen. Die Tasse Kaffe brachte keine Erleichterung.

Und drei Stunden später war es tatsächlich soweit, Irina schneite gutgelaunt ins Büro, machte sich erstmal was zu trinken, plauderte mit einer Kollegin, ging an ihr Handy, um mit ihrem Freund zu telefonieren und als sie dann fertig war, beschloss sie mit den anderen mittagessen zu gehen. Dass Elena gerade nicht da war um sich dazu zu äußern, trieb mich umso mehr zur Weißglut. Mir fehlte derzeit aber die Kraft, um etwas zu erwidern oder um mich mit ihr zu streiten. Ich saß weiter an meinen Zahlen und bereute nicht die Tatsache, dass ich in der Eishalle war, sondern dass ich die Schlitschuhe nicht mitgenommen habe, um sie Irina beim Verlassen des Gebäudes, aus dem Fenster auf den Kopf zu werfen.

3.8.09 05:37


12. Tage des Donners

Bisher lernte ich eins über das Uralwetter -  es ist ein launisches Arschloch. Es meint es wäre was ganz Besonderes, denn warum sollte es so langweilig wie das deutsche Wetter sein und mal über mehrere Tage gleich bleiben, oder sich im Verlauf der Woche langsam ändern. Nein, stattdessen ist es lieber ganz eingebildet und ändert seine Meinung zehn Mal im Verlauf eines einzigen Tages. So geht man an einem eiskalten Morgen mit warmer Jacke aus dem Haus, kommt Mittags aus dem Office in eine brühende Hitze und kann sich bis auf die Unterhose ausziehen, um sich am Abend in die wasserdichtensten Klamotten der Welt einzuwickeln, weil man von Orkanböen und Sturmflutregen weggeweht wird.

Dank meiner Erfahrungen der letzten fünf Wochen, packe ich mir nun jeden Morgen eine Vier-Jahreszeiten-Tasche mit Pullover, Regenschirm, und kurze Hose. Doch heute beging ich einen fatalen Fehler: ich vergas eines der Dinge – mein Regenschirm. Morgens vermisste ich ihn auch überhaupt nicht und selbst als ich nach der Arbeit das Gebäude verließ, lächelte mir die warme Sonne ins Gesicht  und ich beschloss mich auf Mitbringsel-Jagt zu machen. Ich bummelte mich also durch die Fußgängerzone durch, kaufte gut gelaunt unnützes Zeug und als ich am Ende der Straße ankam, entschied ich mich an diesem schönen Tag mich auf den Bazar zu wagen. Dieser ist mit seinen kleinen aufeinander gestapelten Zelten, engen Durchgängen, rumlaufenden Diebes-Kindern und Verkäufern sämtlicher Nationalitäten – von Chinesen bis Jugoslawen – nichts für zimperliche Touris. Um den großen Bazarplatz zu erreichen musste ich nur noch 500 Meter über die Mias-Brücke laufen (wieder Nationalstolz, also wieder kein Kommentar).

Doch ich bin mir sicher, das Uralwetter lauerte hinter der Ecke und kicherte bösartig über meine Naivität, denn sobald ich auf die Brücke trat, sprang es aus seinem Versteck und richtete das fieseste, schrecklichste Unwetter auf mich. Innerhalb von wenigen Sekunden wurde es stockdunkel, es donnerte so laut, dass die Menschen sich vor Schreck zu Boden bückten. Und als es losregnete, stand ich mitten auf der Brücke ohne jegliche Versteckmöglichkeit und ohne Regenschirm.

In all den Wochen ist bisher dank des Wetters noch nie ein Tag so gelaufen wie er geplant war: wenn wir morgens bei Sonnenschein zum See fuhren, fing es an zu regnen; wenn wir in die Stadt zum Einkaufen gingen, kam ein Sturm auf und wehte alles und jeden von den Straßen; wenn wir ein Wochenende auf dem Land planten, wehte der Wind den Hauptstromast des Örtchens um. Und heute reichte es mir eindeutig. Heute würde ich mich dieser Frechheit wiedersetzten, beschloss ich.

Ich lief also unverändert weiter bis zum Markt. Nass bis auf die Unterwäsche, tropfend und triefend trat ich entschlossen in das Zelt ein. Unter ungläubigen Blicken holte ich ein Tempo-Taschentuch aus meiner Tasche und tupfte absolut gleichgültig und unberührt mir das Wasser vom Gesicht, warf die tropfenden Haarstränen aus dem Gesicht und lief zielstrebig, eine Wasserspur hinterlassend, durch den Markt.

Mein Ziel war es hier ein Geschenk für einen gewissen Menschen zu suchen, der es zu schätzen wissen sollte, dass ich patschnass, mich stundenlang mit einer Koreanerin um den Preis des Artikels stritt. Und entweder weil ich so gut im Handeln bin oder weil die Frau befürchtete, dass ich ihre restliche Ware zutropfen würde, lies sie schließlich nach und ich konnte zufrieden, nass und vor Kälte zitternd nach Hause fahren.

3.8.09 20:29


13. Das Goldene Alter

In den letzten Jahren hat sich in Russland vieles verändert, scheinbar zum Besseren. Die Stadt blüht auf, es werden neue Wohngebiete errichtet, die Straßen werden Jahr für Jahr verbessert und ausgebaut, es gibt immer mehr Jobs mit denen man sich das teure Leben hier finanzieren kann. Es findet eine kontinuierliche Verwestlichung statt, die Unterhaltungsindustrie boomt, Cafes, Restaurants, Diskotheken, Kinos befinden sich an jeder Ecke der Stadt und entsprechen den höhsten Ansprüchen. Doch bei mir erzeugt das alles nur Übelkeit, wenn ich an diesen glänzenden, leuchtenden Konsumangeboten und hochklassigen Villen vorbeilaufe und davor alte Menschen sitzen sehe, die keine Möglichkeit haben in dieser neuen Welt zu überleben.

Die Rente wurde schon seit vielen Jahren nicht mehr erhöht und nicht den stetig steigenden Lebenserhaltungskosten angepasst. Vor jedem Geschäft, vor jedem McDonalds und jeder Bar stehen alte, kranke Senioren, die ihren Hut ausstrecken und betteln. Die Menschen hier laufen einfach vorbei. Viel zu viele gibt es davon, man kann ja schliesslich nicht jedem was geben.

Die Alten sind zwar nicht obdachlos, von einem ruhigen Rentendasein kann aber auch nicht die Rede sein. Kleine, schmächtige Omas fahren in ihre Schrebergärten in den Außenbezirken der Stadt in stickigen, alten, rostigen Bussen und ackern den ganzen Tag auf dem Feld, um am Ende des Tages mit vielen schweren Eimern voller Kartoffeln, Beeren und Tomaten im selben vollgestopften Bus nach Hause zu kommen. Am nächsten Tag setzen sie sich am frühen Morgen auf die Straße, um wenigstens etwas von dem geerntetem Gut für wenig Geld zu verkaufen. Die 80-jährigen sitzen den ganzen Tag da, ob brennende Sonne oder strömender Regen. Anders reicht ihnen das Bisschen Geld vom Staat nicht.

Als ich auf einem solchen „Senioren-Bazar“ bei einer kleinen, dünnen Großmutter etwas Heidelbeeren kaufen wollte, fing es im selben Moment an fürchterlich zu regnen. Die alte Frau sprang auf, so schnell sie eben konnte, um ihre Ware zu bedecken, was sie natürlich nicht schnell genug schaffte. Als ich die Folie nahm und für sie die Arbeit erledigte und auch noch zusätzlich den Pappkarton, auf dem sie saß ins Trockene rettete, schaute die Oma mich ganz lange stutzig an. Irgendwann fragte sie warum ich ihr denn geholfen habe. Sie konnte es nicht verstehen. Und ich verstand meinerseits ihre Frage nicht. Die Menschen hier achten nicht mehr auf alte Menschen, diese gehören einfach zur Umgebung, wie ein Laternenmast es auch tut.

Einige Senioren, die wohl kein Schrebergarten und keine sonstigen Verdienstmöglichkeiten haben, greifen auf alles zurück, was ihr Überleben auch nur ein wenig sichern kann. So schnürt es mir jedes Mal die Kehle durch, wenn ich an dem alten Mann in meiner Straße vorbeigehe. Jeden Tag stellt er sich hin mit einer Körperwaage und einem Schild „Ein Mal Wiegen = 3 Rubel“. Während ich meine Tränen, die unweigerlich kommen, runterschlucke, drücke ich ihm jedes Mal zehn Rubel in die Hand (natürlich ohne mich zu wiegen). Seine Hand ist immer zittrig, sein Gesicht ganz grau und mager; und das Lächeln, mit welchem er sich bei mir bedankt, fast zahnlos, aber immer herzlich.

Die mittellosen Rentner kennen hier keine Sozialhilfe oder Suppenküche und erst recht keinen menschlichen Mitleid. Als ich auf dem Heimweg in einem McDonalds mir zum Aufwärmen einen Kaffee kaufte, bemerkte ich ein Murmeln aus einer Ecke des Restaurants. Sobald ich näher trat und sah, woher es kam, blieb mir der Atem weg: es war eine alte Frau, die in den abgestellten Tabletts nach Essensresten rumwühlte. Ihre Kleider hielten kaum auf ihrem abgemagerten Körper, sie schaute jedes BigMac-Päckchen durch und murmelte verärgert jedesmal wenn sie nichts fand. Ich drehte mich um, ging zur Kasse und kaufte zwei Hamburger, die ich zusammen mit meinem sämtlichen Kleingeld auf den Tisch vor die Oma legte. Die alte Frau hob ihr Gesicht, schaute mich an und brach plötzlich in Tränen aus. Und während sie sich bei mir bedankte, ging ich so schnell ich nur konnte wieder raus, um selbst nicht loszuweinen.

Wenn ich jetzt an die deutschen Senioren denke, die sich ständig über das Wetter und die Jugend beschweren, und deren größtes Problem es ist, genug Kuchen und Sekt bei der nächsten Kaffeefahrt abzukriegen…
5.8.09 19:54


14. Doswidanja TNT!

Unerwartet bin ich vor über sechs Wochen in dem TNT-Studio gestrandet und nun ist es tatsächlich soweit: der letzte Tag. Nach unzähligen Fahrten quer durch Chelyabinsk, nach vielen Stunden am PC und nach vielen Tagen mit dem TNT-Team muss ich jetzt schließlich Abschied nehmen, und es ist nicht leicht.

Ich bin mir fast sicher, es gibt nur wenige Praktikanten, die ein rein positives Schlussword über ihre Tätigkeit verfassen würden. Nun, ich tue es. Denn gegen meine eigene Erwartung, nicht nur dass ich keinen einzigen „Ach-heute-hab-ich-keine-Lust,-muss-mich-jetzt-also-zwingen-hinzugehen-Tag“ hatte, nein, es gibt sogar sehr vieles was ich wirklich vermissen werde.

So z.B. meine Touren durch die Stadt mit dem lustigsten Fahrer Russlands – Igor. Wegen diesem großen, fülligen, mit seiner herzlichen Art den ganzen Raum einnehmenden Menschen, mit einer lauten-tiefen und ständig lachenden Stimme, taufte ich schon am ersten Tag ihn und sein Auto „Das Große Bärenfahrzeug“. Er schimpfte immer nur, dass ich mit den Autotüren zu laut klatschen würde und hat es dem ganzen Team geschworen, dass er es meinen europäischen Händchen noch bis zum Ende des Praktikums beibringen würde wie es richtig geht. Leider ist er daran gesheitert.

Und wenn ich Zuhause mal wieder an meinem zickigen Notebook sitze, werde ich bestimmt mal häufiger an unseren privaten PC-Notruf-Service Alex denken, der mit seinem großen, unglaublich dünnen Körper immer zwischen irgendwelchen Technikteilen und Geräten rumschleicht und mit suspekten, bunten Kabeln zugewickelt rumläuft. Zuhause werde ich nicht mehr einfach mit dem Finger schnipsen können, damit mir wie z.B. letzte Woche mein extrem wichtiges ICQ nach einem Nervenzusammenbruch wieder repariert wird.

Sogar der verrückte Fernsehsender-Alltag wird mir fehlen, glaub ich zumindest. Ständig passierte etwas Neues, etwas worüber wir in unserem „Chef“-Zimmer mit Elena (Office-Manager), Lena (PR-Manager) und Irina (mit der wir schließlich doch noch Frieden geschlossen hatten) diskutieren, lästern oder lachen konnten. Insgesamt herrschte bei TNT Chelyabinsk ein durchgehendes Chaos. Dauernd platzte Valeria rein, eine Frau, die mich an ein kleines blondes und ständig bellendes Hündchen erinnert, um über etwas zu tratschen. Sie ist wie ein Wirbelwind, sie plappert, sie gestikuliert, sie verdreht sich wie eine Brezel, um etwas besonders überzeugend darzustellen. Und jedesmal wenn die etwas ruhigere Buchhalterin Sweta mit einem Stapel Papier reinkam, wusste jeder, dass man sich am besten unter dem Tisch verstecken sollte, da Elena gleich wieder über irgendwelche Zahlen und die Vorgesetzten in Moskau ausrasten würde.

Doch am meisten werde ich meinen Arbeitsplatz selbst vermissen, wenn ich dort morgens ankomme, mich an den PC setzte, mir die Kopfhörer drüberziehe und neben meinen eigentlichen Aufgaben das ABBA-Album losschalte. Warum ABBA? Alles Lenas Schuld, die als „Twilight“- und „Mamma Mia“-Fan mich den ganzen Tag über ICQ mit irgendwelchem Klatsch und Unsinn über neueste Filmereignisse zuchattet.

Bei all dem gab es aber auch Erlebnisse, die einen leichten Schatten auf die schöne Zeit werfen. So versetzte Lena letzte Woche unsere gesamte Abteilung in Angst und Schrecken. Schon morgens sagte sie, ihr würde schwindlich sein und komisch, doch zum Arzt wolle sie nicht. Als ich gegen Mittag kurz aus dem Zimmer ging, blieb mir beim Zurücklaufen das Herz im Halse stecken. Denn sobald ich mich wieder der Tür näherte, hörte ich einen herzzerreißenden, qualvollen und ewiglangen Schrei aus dem Büro kommen. Als ich die Tür aufriss, sah ich Lena nur noch unter ihren Tisch rutschen und Elena, die aufsprang und nach ihr rief.

Während alle anderen zu uns liefen, schüttelte es Lena am ganzen Körper, ihr Gesicht lief dunkelschwarz an. Ohne lange zu überlegen, stürmte ich an allen, die zur Hilfe eilten vobei, griff das Telefon und rief einen Rettungswagen. Während die anderen versuchten erste Hilfe zu leisten, rannte ich so schnell ich konnte zum Eingang, um die Ärzte abzuholen, die glücklicherweise schon da waren. Ein epileptischer Anfall, sagten sie schließlich, und nahmen Lena mit ins Krankenhaus. Den restlichen Tag blieb die Arbeit liegen, während wir alle uns von dem Schock erholten.

Doch trotz dieses Vorfalls, sollte heute zu meiner Ehren die kleine Anschiedsfeier steigen. Ich kaufte heute früh also ganz der Tradition nach eine riesige Torte (denn hier wird bei jedem Anlass Torte gegessen, insgesamt in den letzten sechs Wochen gab es zwölf Mal ein Fressgelage). Begleitet von ständigen Lachanfällen über alles Mögliche und Unmögliche wurde sie dann in weniger als einer Stunde fast komplett verputzt. Und während dessen sagte mir Elena, dass sie sich gefreut hätte, wenn ich bei TNT auch weiterhin geblieben wäre und überreichte mir ein großes Geschenkpaket mit TNT-Tshirts, Kugelschreibern, Aufklebern, DVD's, Kühlschrankmagneten und Notizblöcken.

Insgesamt kann ich nur schlussfolgern, dass das Praktikum bei TNT – so überraschend es kam – eine gute Entscheidung war und wenn ich ehrlich bin, hätte ich dort auch gerne länger gearbeitet und gelernt.

9.8.09 14:37


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