daria-russia - @ myblog.de
7. Work and Travel

Der Arbeitsalltag von jedem normalen Menschen sieht wie folgt aus: man schleppt sich jeden Tag zum Arbeitsplatz und freut sich auf das Wochenende und jede arbeitsfreie Minute. Man könnte meinen ich hätte sie nicht mehr alle, aber bei mir ist das genaue Gegenteil der Fall. Nicht nur dass mein Praktikum kein grauer Büroalltag ist, je mehr ich mich einarbeite, umso interessanter wird es für mich.

Mein Tag fängt damit an, dass ich alle Tages- und Wochenzeitungen, die auf meinem Schreibtisch gelegt werden nach unseren Veröffentlichungen absuche, daneben kann ich mir sämtliche Artikel durchlesen, die mich sonst noch interessieren – „es sei schon in Ordnung“ sagt immer Elena. Danach ergänze ich immer unser Monitoringsystem, für welches ich verantwortlich bin, um meine Funde und erledige noch alles andere was so am Tag anfällt: ich telefoniere mit Redakteuren, mache irgendwelche Termine oder überwache den Programmablauf in dem nagelneuen komplett-digitalen TNT-Studio. In den Kinos von Chelyabinsk kennen mich inzwischen alle Mitarbeiter, täglich werde ich in jedes davon gefahren und muss im Namen von Elena mit ihnen streiten, falls bei den Werbefilmen was schiefläuft und danach meiner Cheffin Bericht erstatten. Als ich letzte Woche mal außnahmsweise privat ins Kino wollte, sprang die Ticketverkäuferin auf und holte in Eile den Manager, welcher mir in seiner Aufregung erklärte, dass sie gerade nicht auf eine Kontrolle von TNT vorbereitet wären und uns gar nicht erwartet hättet. Ich hätte mich totlachen können.

Das einzige, was meine Freude an der TNT-Arbeit trübt, ist Irina – die neue Praktikantin, die sich gestern bei Elena vorgestellt hat. Sie sei unglaublich schlau, arbeite neben ihrem Studium in einer angesagten Zeitung, sei unglaublich erfahren und überhaupt ganz toll, sagte mir meine Cheffin im Voraus. Und nicht nur, dass sie aus irgendeinem Grund mit sämtlichen Medienmachern des Landes per du ist, scheint sie Elena persönlich zu kennen und mit ihr mal öfter privat in ICQ zu chatten. Ich hasse sie jetzt schon. Als sie dann am Dienstag morgen ankam, bestätigte sich meine Abneigung. Auf die Frage welche Aufgaben sie denn gerne ausführen würde, antwortete sie, dass sie wohl beim Monitoring nicht ganz abgeneigt wäre und auch gerne die Filmvorführungen kontrollieren würde. Na sicher, dachte ich mir.

Den restlichen Tag durfte ich mir von Irina anhören was sie denn sonst noch faszinierendes in ihrem Leben vollbracht hat. Sie kann z.B. Englisch auf Grundschulniveau, lernt schon seit einem Monat Deutsch und wird demnächst für ganze zwei Wochen nach Paris reisen, um dort in dieser unglaublichen Zeitspanne ausgiebig erste Französischkenntnisse zu sammeln. Ein Witz für mich, tatsächlich bemerkenswert für Russland. Hier spricht kaum jemand ein Wort Englisch, von anderen Sprachen hat man wahrscheinlich nur mal irgendwo gehört. Warum es so schlecht um die Sprachkenntnisse der russischen Bevölkerung steht? Jedes mal wenn ich jemandem diese Frage stelle, bekomme ich nur eins als Antwort: „Wozu? Auf Hunderten von Kilometern in jede Himmelsrichtung braucht man nur Russisch.“ Für einen Europäer etwas vollkommen unbegreifliches.
15.7.09 20:34
 


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