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14. Doswidanja TNT!

Unerwartet bin ich vor über sechs Wochen in dem TNT-Studio gestrandet und nun ist es tatsächlich soweit: der letzte Tag. Nach unzähligen Fahrten quer durch Chelyabinsk, nach vielen Stunden am PC und nach vielen Tagen mit dem TNT-Team muss ich jetzt schließlich Abschied nehmen, und es ist nicht leicht.

Ich bin mir fast sicher, es gibt nur wenige Praktikanten, die ein rein positives Schlussword über ihre Tätigkeit verfassen würden. Nun, ich tue es. Denn gegen meine eigene Erwartung, nicht nur dass ich keinen einzigen „Ach-heute-hab-ich-keine-Lust,-muss-mich-jetzt-also-zwingen-hinzugehen-Tag“ hatte, nein, es gibt sogar sehr vieles was ich wirklich vermissen werde.

So z.B. meine Touren durch die Stadt mit dem lustigsten Fahrer Russlands – Igor. Wegen diesem großen, fülligen, mit seiner herzlichen Art den ganzen Raum einnehmenden Menschen, mit einer lauten-tiefen und ständig lachenden Stimme, taufte ich schon am ersten Tag ihn und sein Auto „Das Große Bärenfahrzeug“. Er schimpfte immer nur, dass ich mit den Autotüren zu laut klatschen würde und hat es dem ganzen Team geschworen, dass er es meinen europäischen Händchen noch bis zum Ende des Praktikums beibringen würde wie es richtig geht. Leider ist er daran gesheitert.

Und wenn ich Zuhause mal wieder an meinem zickigen Notebook sitze, werde ich bestimmt mal häufiger an unseren privaten PC-Notruf-Service Alex denken, der mit seinem großen, unglaublich dünnen Körper immer zwischen irgendwelchen Technikteilen und Geräten rumschleicht und mit suspekten, bunten Kabeln zugewickelt rumläuft. Zuhause werde ich nicht mehr einfach mit dem Finger schnipsen können, damit mir wie z.B. letzte Woche mein extrem wichtiges ICQ nach einem Nervenzusammenbruch wieder repariert wird.

Sogar der verrückte Fernsehsender-Alltag wird mir fehlen, glaub ich zumindest. Ständig passierte etwas Neues, etwas worüber wir in unserem „Chef“-Zimmer mit Elena (Office-Manager), Lena (PR-Manager) und Irina (mit der wir schließlich doch noch Frieden geschlossen hatten) diskutieren, lästern oder lachen konnten. Insgesamt herrschte bei TNT Chelyabinsk ein durchgehendes Chaos. Dauernd platzte Valeria rein, eine Frau, die mich an ein kleines blondes und ständig bellendes Hündchen erinnert, um über etwas zu tratschen. Sie ist wie ein Wirbelwind, sie plappert, sie gestikuliert, sie verdreht sich wie eine Brezel, um etwas besonders überzeugend darzustellen. Und jedesmal wenn die etwas ruhigere Buchhalterin Sweta mit einem Stapel Papier reinkam, wusste jeder, dass man sich am besten unter dem Tisch verstecken sollte, da Elena gleich wieder über irgendwelche Zahlen und die Vorgesetzten in Moskau ausrasten würde.

Doch am meisten werde ich meinen Arbeitsplatz selbst vermissen, wenn ich dort morgens ankomme, mich an den PC setzte, mir die Kopfhörer drüberziehe und neben meinen eigentlichen Aufgaben das ABBA-Album losschalte. Warum ABBA? Alles Lenas Schuld, die als „Twilight“- und „Mamma Mia“-Fan mich den ganzen Tag über ICQ mit irgendwelchem Klatsch und Unsinn über neueste Filmereignisse zuchattet.

Bei all dem gab es aber auch Erlebnisse, die einen leichten Schatten auf die schöne Zeit werfen. So versetzte Lena letzte Woche unsere gesamte Abteilung in Angst und Schrecken. Schon morgens sagte sie, ihr würde schwindlich sein und komisch, doch zum Arzt wolle sie nicht. Als ich gegen Mittag kurz aus dem Zimmer ging, blieb mir beim Zurücklaufen das Herz im Halse stecken. Denn sobald ich mich wieder der Tür näherte, hörte ich einen herzzerreißenden, qualvollen und ewiglangen Schrei aus dem Büro kommen. Als ich die Tür aufriss, sah ich Lena nur noch unter ihren Tisch rutschen und Elena, die aufsprang und nach ihr rief.

Während alle anderen zu uns liefen, schüttelte es Lena am ganzen Körper, ihr Gesicht lief dunkelschwarz an. Ohne lange zu überlegen, stürmte ich an allen, die zur Hilfe eilten vobei, griff das Telefon und rief einen Rettungswagen. Während die anderen versuchten erste Hilfe zu leisten, rannte ich so schnell ich konnte zum Eingang, um die Ärzte abzuholen, die glücklicherweise schon da waren. Ein epileptischer Anfall, sagten sie schließlich, und nahmen Lena mit ins Krankenhaus. Den restlichen Tag blieb die Arbeit liegen, während wir alle uns von dem Schock erholten.

Doch trotz dieses Vorfalls, sollte heute zu meiner Ehren die kleine Anschiedsfeier steigen. Ich kaufte heute früh also ganz der Tradition nach eine riesige Torte (denn hier wird bei jedem Anlass Torte gegessen, insgesamt in den letzten sechs Wochen gab es zwölf Mal ein Fressgelage). Begleitet von ständigen Lachanfällen über alles Mögliche und Unmögliche wurde sie dann in weniger als einer Stunde fast komplett verputzt. Und während dessen sagte mir Elena, dass sie sich gefreut hätte, wenn ich bei TNT auch weiterhin geblieben wäre und überreichte mir ein großes Geschenkpaket mit TNT-Tshirts, Kugelschreibern, Aufklebern, DVD's, Kühlschrankmagneten und Notizblöcken.

Insgesamt kann ich nur schlussfolgern, dass das Praktikum bei TNT – so überraschend es kam – eine gute Entscheidung war und wenn ich ehrlich bin, hätte ich dort auch gerne länger gearbeitet und gelernt.

9.8.09 14:37
 


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